Am 16. Juli ist der Festtag der Virgen del Carmen in vielen Ländern dieser Welt. Eine ganz besondere Huldigung erfährt die Jungfrau in dem kleinen Andendorf Paucartambo wo dutzende verschiedene Tänze von hunderten Tänzer_innen mehrere Tage über aufgeführt werden. Aus dem ganzen Lande kommen Gläubige und Schaulustige angereist, die wenigen Hostals die es gibt sind sofort ausgebucht und viele Leute versuchen erst gar nicht einen Schlafplatz zu bekommen. Nachdem ich es 2008 nicht geschafft habe, nachh Paucartambo zu den Feierlichkeiten zu fahren, war es für 2012 dick im Kalender eingetragen. Zusammen mit einigen Freunden und Bekannten war ich dann von Sonntag bis Montag Nacht vor Ort und habe über 1000 Fotos gemacht 🙂 Ein paar der Besten will ich euch hier zeigen.

Die Hauptattraktion ist eine Statue der Jungfrau, die zu bestimmten Zeiten durch die Straßen geführt wird. Die restliche Zeit empfängt sie die Gläubigen in der Kirche des Dorfes und eine Tänzergruppe nach der anderen tanzt in die Kirche ein um für die Jungfrau zu singen.

Tänzer der Gruppe Ccapac Negra singen für die Jungfrau.

Am Eingang der Kirche stellen die Gläubigen Kerzen ab und der Boden ist zentimeterdick mit Wachs bedeckt.

Bunter Kopfschmuck der Tänzer_innen des für über 90 Jahre vergessenen Tanzes Chunchachas.

Die närrischen Maqt’as sind immer für einen Scherz gut und heitern die wartenden Menschen auf. Ansonsten helfen sie, wo sie gebraucht werden.

Der Tanz erzählt die Geschichte der Bauern der Hacienda Qosñipata im Dschungel, die zum Arbeiten auszogen, mit Malaria zurück kamen und geheilt wurden.

Die Qhapaq Qolla sind recht wilde gesellen und ich habe nie so recht verstanden, wieso sie mit einem Lama unterwegs sind…

Tänzerin der Doctoritos posiert für meine Kamera.

In der Nacht wurden auf dem Hauptplatz von Paucartambo Strohballen verteilt und entfacht. Die Tänzer rannten um die Plaza herrum und sprangen über die Feuer. Hier zu sehen ein Saqra, die Inkarnation des Teufels.

Die Qhapaq Qolla haben scheinbar eine Vorliebe für schöne Frauen und nehmen sie schonmal für ein paar Runden mit. (Man munkelt, dass auch schon so manche Frau verschwunden sein soll, wenn sich niemand nach ihr umgesehen hat. Aber das sind nur Gerüchte, soll aber zeigen, dass nicht jede Tradition immer auch gleich schön, gut und unschuldig ist!!). Wenn sich die „Entführte“ nicht so ganz auf den Tanz einlassen will, kann es schonmal sein, dass sie mit dem Tänzer taumelt (oder gar fliegt…).

Wertvoller Schmuck der Qhapaq Negros.

Höhepunkt des Sonntagabends ist alljährlich das Abbrennen des Feuerwerks. Zuerst werden einzelne kleine funkensprühende Konstruktionen von den Tänzer_innen durch die Straßen getragen, dann geht es richtig los. Ein über 10 Meter hohes, bis zur letzten Spitze mit Feuerwerk ausgestattetes Bambusgerüst wird aufgestellt und entzündet. Alles wackelt und Stück für Stück entzünden sich die verschiedenen Elemente. Funken sprühen und die Masse schwankt zwischen Angst und Bewunderung. Acuh wenn es schön anzusehen ist, bin ich ehrlich gesagt über europäische Sicherheitsnormen froh 🙂

Der Tanz Majeño hat seinen Ursprung in der Tatsache, dass es früher keinen Alkohol in Paucartambo gab, sondern von weit her importiert wurde. Die Tänzer repräsentieren diese Importeure. Der spannendste Teil des Tanzes kommt dann, wenn sich alle Tänzer wie wild umd die eigene Achse drehen und ihre volle Bierflasche über den Köpfen der Zuschauer_innen verteilen.

Der Tanz Waca Waca karikiert den spanischen Stierkampf. Im Bild zu sehen Tänzerinnen und der Stier (rechts).

Ich mit meinem Freund Raul, der für die Negrillos tanzt.

weitere Bilder folgen 🙂 –

20. Juli 2012

Kommentare

„und ich habe nie so recht verstanden, wieso sie mit einem Lama unterwegs sind“

… weil es immer besser ist, mit einem Lama unterwegs zu sein, als ohne ein Lama. Echt mal, ist doch logisch! 🙂

Die Feier ist wunderschön!! Hast du im Manicomio Azul übernachtet? Oh mann ich will da unbedingt wieder hin! Übrigens: Wenn man eine Feder von den Chunchachas findet soll das Glück mit Frauen bringen 😉 Nur die Dynamitsprengungen sind anstrengend. Bis Bald! Cuidate mucho!!

Ne, die erste Nacht im Auto / Refugio bei Tres cruzes und die zweite Nacht sind wir dann schon wieder zurück gefahren.
Hab leider keine Feder gefunden, aber wenn, hätte ich sie nicht Raul gezeigt 😉

Schreibe einen Kommentar