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ADHS Psychoedukation

Im Anschluss an die ADHS-Diagnostik stellen sich oftmals viele neue Fragen. Im Rahmen einer Psychoedukation können diese beginnend geklärt werden. Ich biete hierfür eine spezifische ADHS-Psychoedukationsgruppe an. Zusätzlich möchte ich einige wichtige Aspekte hier zum Nachlesen zur Verfügung stellen.

Was ist ADHS?

Hierauf gibt es je nach Perspektive unterschiedliche Schwerpunkte. In meinem Verständnis ist das Neurodiversitätskonzept wichtig. J. Singer verweist auf die Pflanzenwelt, ist diese bunt und vielfältig, kann man von einer großen Biodiversität sprechen. Analog dazu sind unsere neuronalen Ausstattungen und Eigenheiten mehr oder weniger unterschiedlich. Liegt eine große Varianz vor, kann man von einer großen Neurodiversität innerhalb einer Gruppe sprechen.

ADHS, Autismusspektrumsstörung etc. bezeichnet dabei eine gewisse Art des vom Durchschnitt, der „Norm“ abweichenden Erleben und Verhaltens. Ob dieses als Superkraft oder als Belastung und Krankheit wahrgenommen wird, ist zunächst nicht gesagt. Die ADHS typischen Auffälligkeiten im Erwachsenenalter kann man in folgende Bereiche einordnen.

Aufmerksamkeits­steuerungsstörungen

  • Unaufmerksam gegenüber Details oder Flüchtigkeitsfehler.
  • Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben aufrechtzuerhalten.
  • Nicht richtig zuhören, wenn jemand etwas sagt bzw. unaufmerksam/verträumt.
  • Leicht durch äußere Reize ablenken.
  • Bei Alltagstätigkeiten häufig vergesslich.

Desorganisation

  • Anweisungen anderer werden nicht vollständig durchgeführt bzw. Arbeiten oder Pflichten am Arbeitsplatz nicht zu Ende gebracht. Springen zwischen Tätigkeiten.
  • Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren, zu spät kommen oder Probleme in der Zeitwahrnehmung.
  • Abneigung gegen oder nur widerwillige Beschäftigung mit Aufgaben, die länger andauernde geistige Anstrengungen erfordern.
  • Verliert oder verlegt häufig Gegenstände, die für bestimmte Aufgaben oder Aktivitäten benötigt werden.

Überaktivität / innere Unruhe

  • Zappelt häufig mit Händen und Füßen oder rutscht auf dem Stuhl herum, starke motorische Unruhe.
  • Probleme in Situationen, in denen Sitzenbleiben erwartet wird bzw. vermeidet diese
  • Starker Bewegungsdrang oder ausgeprägte innere Unruhe
  • Kann sich schlecht leise beschäftigen. Es geht immer laut zu.
  • Immer „auf dem Sprung“, viel Energie, getrieben

Impulsivität

  • Redet übermäßig viel.
  • Platzt häufig mit den Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist
  • Kann häufig nur schwer warten, bis er/sie an der Reihe ist.
  • Unterbricht und stört andere, wenn sie etwas tun.

Stimmungsschwankungen

  • Durchlebt kurze Phasen der Trauer oder Entmutigung.
  • Übermäßig selbstkritisch.
  • Schnell gelangweilt und verliert schnell das Interesse an Sachen.

Stressintoleranz

  • Häufig überfordert oder frustriert.
  • Empfindet Sachen meist sehr intensiv bzw. übermäßig emotional.
  • Neigt zu Überreaktionen unter Belastung. Übertreibe häufig und ist schnell verärgert.
  • Unter Druck oder Stress, selbst durch einfache, verantwortungsvolle Aufgaben überfordert und schnell ängstlich, desorientiert oder chaotisch.
  • Leicht reizbar oder kränkbar.

Was ist ADHS? Hier werden die Symptome und Beeinträchtigungen, sowie Behandlungsmöglichkeiten erklärt.

Wie kann man anderen Menschen ADHS erklären, so dass die Chance besteht, dass sie zuhören (englisch).

Exekutive Funktionen bei ADHS

Exekutive Funktionen (Ausführungsfunktionen) sind grundlegende Fähigkeiten, denen wir uns als Erwachsene oftmals gar nicht bewusst sind. Folgt man dem Konzept des ADHS-Experten Russell A. Barkley, so helfen uns diese Fähigkeiten uns selbst zu regulieren. Sie werden in der Kindheit im Zusammenleben mit der Familie und anderen Menschen gelernt und zunehmend mehr verinnerlicht. Nach Barkley beruhen viele der Probleme bei ADHS auf Problemen mit den exekutiven Funktionen.

Selbstwahrnehmung

Im Alter von 12-24 Monaten entwickelt sich unser Ich-Bewusstsein und damit ein wichtiger Grundbaustein für unsere Selbstwahrnehmung. Wissenschaftlich erforscht wird dies mit dem Rouge- oder Spiegeltest. Ohne Selbstwahrnehmung ist jede weitere Selbstregulation nur schwer möglich. Im Bezug auf ADHS ist die Selbstwahrnehmung oftmals erschwert. Beispiele könnten z.B. sein, nicht mitzubekommen, wie laut oder leise ich spreche oder seine eigenen Impulse erst zu erleben, wenn sie bereits umgesetzt sind.

Eine Förderung der Selbstwahrnehmung, z.B. durch Achtsamkeit ist daher ein wichtiger Baustein (auch im Rahmen einer Psychotherapie). Barkley nutzt dies den geistigen Spiegel nutzen.

Inhibition

Wenn ich mir meiner selbst gewusst geworden bin, habe ich grundsätzlich die Möglichkeit mich und meine Aktionen zu bremsen und ggf. ganz zu unterdrücken. Daher nennt Barkley diese Funktion die geistige Bremse. Bei ADHS ist dies z.B. auffallend bzgl. dem Wechsel von Aktivitäten von einem zum Anderen. Dann ist es schwer an etwas dran zu bleiben und fertig zu bekommen. Belohnungsaufschub ist hier ein wichtiges Stichwort.

Nonverbales Arbeitsgedächtnis

Das Arbeitsgedächtnis hilft uns, Informationen kurzfristig im Gedächtnis zu behalten. Das nonverbale Arbeitsgedächtnis beinhaltet dabei u.a. Bilder, Geräusche, Gerüche etc. Es hilft uns dabei, Dinge zu verinnerlichen als Basis für motivationales Handeln. Wie wäre es, jetzt diese leckeren Nudeln mit Soße zu essen? Lecker? Dann Schuhe an und Einkaufen, Küche aufräumen und kochen. Genießen.

Barkley nennt es das geistige Auge, das uns dabei hilft vergangene Erfahrungen als Grundlage für zukünftiges Handeln zu nutzen.

Verbales Arbeitsgedächtnis

Das verbale Arbeitsgedächtnis, unsere innere Stimme hilft uns Dinge auf sprachlicher Ebene innerlich parat zu haben. Selbstgespräche helfen uns dabei mehr Informationen über eine bestimmte Situation zu sammeln („hab ich noch genügend Tomaten für die Soße?“). Das fällt bei ADHS oftmals schwer. Die innere Stimme hilft uns erst zu denken, dann zu handeln („hab ich Schlüssel, Geldbeutel, … dabei?“). Oftmals ist eine Etablierung gewisser Regeln sehr wichtig. So lange die innere Stimme noch nicht verlässlich genug ist, verhelfen viele Betroffene sich mit außen sichtbaren Hinweisen, wie z.B. Post-Its oder Checklisten.

Emotionsregulation

Auch wenn dieser Bereich in den klassischen ICD ADHS-Kriterien nicht erfasst wird, zählt er zu den zentralen Problemfeldern für viele. Die Mentalisierungsbasierte Psychotherapie (MBT, Lenka Staun) würde sogar sagen, es ist der zentrale Bereich, denn hieraus folgt oftmals viel Leid, wenn Beziehungen unter nicht ausreichend regulierten Emotionen leiden. Das Erkennen eigener innerer Zustände und ein Verständnis für das innere Erleben und die Absichten des Gegenübers kann eine große Herausforderung sein. Hierin liegt ein wichtiger Ansatzpunkt psychotherapeutischer Behandlung.

Selbstmotivation

Wie man sich selbst motiviert etwas zu tun, kann eine große Kunst sein. Ein Baustein ist das gezielte Nutzen von Emotionen, indem man sich, z.B. das positive Ergebnis einer Handlung so aktiv wie möglich vergegenwärtigt (die Freue über eine bestandene Klausur oder der Geschmack der frisch gekochten Nudeln mit Tomatensoße).

Planen und Problemlösen

Dies ist ein weiterer Bereich der bei ADHS oftmals betroffen ist. Das innere Spielen, Abwägen, Ordnen und Priorisieren von Optionen kann ziemlich überfordernd sein. Barkley nennt diese Funktion den geistigen Spielplatz, der uns dabei hilft, nicht nur nach Versuch und Irrtum zu leben.

Diese Seite befindet sich im Aufbau. To be continued…